Visuelle Eindrücke von der Stadtkirche in Schorndorf

Presseartikel

Das Zentrum erstrahlt in neuem Glanz

ZVW 2013-12-02: Erster Gottesdienst in der beinahe fertig renovierten Stadtkirche. Endgültiger Abschluss der Arbeiten: Anfang Mai

Schorndorf. „Macht hoch die Tür, die Tor’ macht weit“. Dass der Festgottesdienst in der wiedereröffneten Stadtkirche gestern tatsächlich mit diesem Lied beginnen konnte – wer hätte das noch vor wenigen Wochen bei einem Baustellenbesuch für möglich gehalten. Bis zuletzt wurde geschafft und gezittert. Doch es gelang in einem gewaltigen Endspurt – dessen Antrieb nicht zuletzt auch ein enormes bürgerschaftliches Engagement war.

Die Kirchengemeinde ist gestern wieder eingezogen in die Stadtkirche – doch fertig ist sie nicht. Dass die Konfirmanden dennoch das Kreuz, die Bibel und die Kerzen auf den Altar vor dem mit Folie abgehängten Chorraum getragen haben, für Dekan Volker Teich ist es ein Symbol, dass auch wir in unserem Leben nie fertig werden – „bis Jesus kommt“. Doch die Stadtkirche, sagte Pfarrerin Dorothee Eisrich in ihrer Predigt zur Gemeinde, „hat sich auch schön gemacht für eine Begegnung mit Ihnen“. Und so waren gestern die frisch gestrichenen Bänke auch tatsächlich bis auf den letzten Platz besetzt; hell und strahlend präsentiert sich der Kirchenraum jetzt, mit einer glasklaren Akustik und einer gar nicht mehr launenhaften Heizung. Der Unterschied ist gewaltig.

Ganze Schuttberge, erinnerte Pfarrerin Eisrich, wurden während der gut einjährigen Bauzeit aus der Kirche geschafft. Und bei der Renovierung ist nicht nur der Staub der vergangenen 50 Jahre von den Wänden gekommen, „es ist auch eine Menge Leben in die Kirche eingezogen“. Sollen die enormen Summen, die in die Innenrenovierung geflossen sind, aus der Stadtkirche doch auch „einen vibrierenden Ort“ machen. Und die Chancen stehen gut – schließlich war und ist das bürgerschaftliche Engagement für die Stadtkirche enorm: So hat, erinnerte Oberbürgermeister Matthias Klopfer in seinem Grußwort, allein der Gemeinderat 325000 Euro für die Innenrenovierung bewilligt, weitere 25 000 Euro werden’s für die Außenbeleuchtung sein und an der Außenrenovierung der Kirche hatte sich die Stadt auch schon mit einer Million Euro beteiligt. Und OB Klopfer selbst hat sich – mit vielen anderen Sportlern – bei insgesamt vier Altstadtläufen für die Stadtkirche ins Zeug gelegt.

Geldspenden, Arbeitsstunden, Benefizkonzerte – „ein Wunder“

Dass bisher tatsächlich 1,6 Millionen Euro an Spenden zusammengekommen sind – für Dekan Volker Teich ist’s „ein Wunder“. Dazu kommen die mehr als 2000 ehrenamtliche Arbeitsstunden, die in der von Roland Wöhr geleiteten Bauhütte geleistet wurden. Doch Teichs Dank galt gestern nicht nur den großen Geldspenden, er bedankte sich auch für die vielen gestrickten Socken und für die aus Gesangbuchpapier gefalteten Engel, die zugunsten der Renovierung der Stadtkirche auf dem Weihnachtsmarkt verkauft werden konnten. Es gab Diaabende, Filmvorführungen, Benefizkonzerte.

Und der Einsatz soll nicht umsonst gewesen sein: Sind die Bauarbeiten Anfang Mai mit dem Einbau der Orgel tatsächlich abgeschlossen, soll die Stadtkirche zur Bürgerkirche werden und an sieben Tagen die Woche geöffnet sein. Dass es auch jetzt schon eine Verbindung zur bürgerlichen Gemeinde gibt, für OB Klopfer ist dafür nicht nur die Beteiligung an der Schorndorfer Kunstnacht ein sichtbares Beispiel, sondern auch das große Konzert der Jugendmusikschule, das in zwei Wochen hier stattfinden soll. Darum dankte er der Kirchengemeinde für den Mut, die Renovierung der Stadtkirche angegangen zu sein. Erstrahlt für ihn damit doch „das Zentrum unserer Stadt in neuem Glanz“.

Auch Dekan Manfred Unsin von der katholischen Kirchengemeinde stand bei seinem Grußwort „voller Bewunderung, voller Anerkennung und Mitfreude, dass Sie so ein Projekt gestemmt haben“ am Mikrofon. Als Geschenk brachte er, statt einen Umschlag mit Geld zu überreichen – „das wäre ja wie Eulen nach Athen tragen“ – den festen Willen mit, „ökumenisch zu sein“.

Und davor hatte Architekt Bernd Treide noch daran erinnert, wie in einem Wettlauf mit der Zeit, der Endspurt in den vergangenen Wochen gelungen war; wie die Bänke in einem ehrenamtlichen Kraftakt wieder in die Kirche geschafft wurden und wie die Techniker nächtelang programmiert haben, um die Heizung zum Laufen zu bringen.

Dass die Kirche bis zum Eröffnungsgottesdienst dann doch nicht ganz fertig geworden ist, darüber zeigte sich Dieter Feser, Vorsitzender des Stadtkirchengemeinderats, dann beinahe froh: „Das zeigt, dass sich die Kirche weiterbewegt“. Und auch Dr. Christoph Gaa ist glücklich, über das „Privileg, bei einem so historischen Ereignis dabei zu sein“. Die Feier der Wiedereröffnung will der Vorsitzende des Kirchbauvereins als Motivation nehmen, „die restlichen 200 000 Euro auch noch zusammenzubringen“. Denn genau so viel fehlen der Gesamtkirchengemeinde für ihren Eigenanteil in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf 3,4 Millionen Euro.

© Schorndorfer Nachrichten;  Foto: ZVW

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