Visuelle Eindrücke von der Stadtkirche in Schorndorf

Presseartikel

Eine sehenswerte Ausstellung

ZVW, 2013-06-01
Die Sanierung der Stadtkirche macht’s möglich, dass im Stadtmuseum viel über das Gotteshaus zu erfahren ist

Schorndorf. Die Sanierung einer Kirche ist mit großen Umständen und einem finanziellen Kraftakt verbunden. Sie hat aber auch ihre guten Seiten. Denn zum einen erstrahlt das Gotteshaus nach Abschluss der Arbeiten in neuem Glanz. Und zum anderen ergeben sich durch die Sanierung Möglichkeiten, die ohne sie unmöglich wären. Nämlich eine Ausstellung mit Exponaten aus der Kirche zu machen. Eine solche ist von morgen an im Stadtmuseum zu sehen.
 
Eins vornweg: Der Leiterin des Stadtmuseums, Dr. Andrea Bergler, ist es zusammen mit der wissenschaftlichen Volontärin Nina Bahlo gelungen, eine wirklich sehenswerte Ausstellung auf die Beine zu stellen. Es lohnt sich, sie zu besuchen, und für Freunde alter Gebäude und ihrer Geschichte ist sie, ohne zu übertreiben, ein Muss. Was der Besucher hier über die Geschichte der Stadtkirche erfährt, ist beeindruckend.
 
Zum Beispiel, dass „Bürgersinn und Kirchenbau“ – so ist diese Sonderausstellung überschrieben – in Schorndorf immer schon zusammengehört haben und gehören. Das zeigt sich in der Gegenwart daran, dass ein Großteil der 1,7 Millionen Euro, die an Spenden für die grundlegende Sanierung gesammelt werden müssen, beieinander ist. Und das zeigte sich schon in früheren Zeiten. Vor allem im 17. und 19. Jahrhundert stifteten Handwerker und Stadtbürger (im Übrigen vor allem Frauen) silberne und vergoldete Kirchengefäße. Laut Museumsleiterin Dr. Bergler ist das eine „große Seltenheit“ und verweist auf das „Engagement sowie das Selbstbewusstsein der Frauen und auf den früheren Reichtum der Stadt“.
 
Die großen Altarschranken sind laut Dr. Bergler eine „Besonderheit“
 
Eine weitere „Besonderheit in Württemberg“ ist, dass es in Schorndorf noch „so große Altarschranken“ (Dr. Bergler) gibt. Sie standen bisher fast völlig unbemerkt im Chor in der hintersten Ecke an der Wand und fristeten dort das Dasein eines Mauerblümchens. Jetzt sind sie restauriert worden, beziehungsweise werden es noch. Die Altarschranken sind in der Sonderausstellung genauso ganz aus der Nähe zu sehen wie der Christus (ebenfalls restauriert), den man sonst an seinem eigentlichen Platz auf der Kanzel gar nicht so wahrnimmt.
 
Beleuchtet wird in der Sonderausstellung nicht nur die Baugeschichte der Stadtkirche, sondern auch die Geschichte des kirchlichen Lebens. Themenschwerpunkte sind dabei die Mission, der Pietismus und die Reformation. Im Zusammenhang mit der Mission ist eine Bibel zu sehen, die Johann Gottlieb Christaller in Tshi übersetzt hat. Das ist eine Sprache, die in Westafrika beheimatet ist.
 
Auf die NS-Zeit in Schorndorf wird ebenfalls eingegangen. Wer’s noch nicht wusste, erfährt, dass es damals „Deutsche Christen“ gab, die dem Nationalsozialismus sehr nahe standen. Es existierte aber auch die „Bekennende Kirche“, die sich von den Nazis distanzierte. Der damalige Dekan Rieder, Anhänger der „Deutschen Christen“, wurde damals auf starke Intervention von Mitgliedern der „Bekennenden Kirche“ abgesetzt. Vermutlich dürfte vielen nicht bekannt sein, dass dieser Vorgang unter der Bezeichnung „Schorndorfer Kirchenkampf“ in die Geschichte eingegangen ist.
 
Mit dem Bau der Stadtkirche wurde 1477 begonnen, 1511 wurde das Gotteshaus eingeweiht. Der Archäologe Michael Weihs hat im Zusammenhang mit der Sanierung Hinweise auf einen Bau entdeckt, der etwa 765 entstanden sein könnte. Über seine Größe können allerdings keine Aussagen gemacht werden. Anders sieht es bei einer weiteren Vorgängerkirche aus dem 13. Jahrhundert aus. Hier hat Weihs die Lage herausgefunden. Sie stand innerhalb des jetzigen Gotteshauses, war also um einiges kleiner als die heutige Stadtkirche, die im Laufe der Zeit mehrere grundlegende Sanierungen erfahren hat. Bei der letzten in den 1950er Jahren sind die vielen Jugendstilelemente verschwunden. Auch das ist alles in der Ausstellung dokumentiert.

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

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