Visuelle Eindrücke von der Stadtkirche in Schorndorf

Presseartikel

ZVW, 2012-10-10
Am Montag hat der Abbau der Orgel in der Stadtkirche begonnen / Sanierung bis zum 1. Advent 2013

Pfeifen, so weit das Auge reicht: Von Kugelschreibergröße bis hin zu rund drei Meter langen Metallrohren ist alles dabei. Der Orgelabbau in der Stadtkirche hat begonnen. Angelockt werden viele freiwillige Helfer, die sich bei der Gelegenheit ein Bild vom komplexen Innenleben des monströsen Instruments machen.

Dieter Wimmer drückt auf einen Knopf. Die kleine Laderampe, die Mitarbeiter der Leonberger Orgelbaufirma Mühleisen zwischen Kirchenschiff und Empore installiert haben, fährt ruckartig nach unten. Kritisch beäugt er das Geschehen. Auf der Rampe liegen, auf einem Stück Schaumstoff gebettet, mehrere Orgelpfeifen. Damit sie nicht runterkullern können, hat jemand sie mit einer Decke beschwert. Vorsichtig legt Dieter Wimmer die Decke auf die Seite. Dann nimmt er eine Orgelpfeife nach der anderen und legt sie auf den Boden, wo schon viele andere liegen.

Am Montag begann der Abbau der Orgel in der Stadtkirche. Zwei Wochen lang soll es dauern, so glauben die Orgelbauer, bis alle über 3000 Pfeifen aus der großen Holzkonstruktion genommen worden sind. Heikel werde es erst, wenn die größten Pfeifen an der Reihe sind, weiß Matthias Flaig von der Orgelbaufirma. Denn die über drei Meter langen Metallrohre sind nicht nur schwer, sondern auch unhandlich. Der Weg über die enge Treppe scheint unmöglich. Und von der Laderampe würden sie herunterfallen. Bald soll ein Gerüst aufgebaut werden und dann sehe man weiter, so Flaig.

Viele Ehrenamtliche helfen aus Verbundenheit mit der Orgel

Die vielen ehrenamtlichen Helfer finden schon jetzt spannend, was passiert. Manche helfen aus Neugier, denn beim Abbau wird erst die Komplexität der Orgel deutlich. Dass sich so viele Gemeindemitglieder mit der Orgel verbunden fühlen, freut die Mitarbeiter der Orgelbaufirma. „Wir kommen schnell voran“, sagt Immanuel Braun. Er jongliert gerade eine zwei Meter lange Pfeife nach draußen auf den Transporter. „Das ist unsere Orgel“, bestätigt Dieter Wimmer und lacht. Er nimmt sich ein kleines Stück Holz mit, „als Souvenir“, wie er sagt. Es war unter den Dielen befestigt und verband die Tasten mit den Pfeifen. „Wir sagen Ab-strakte dazu“, erklärt Matthias Flaig. Die vielen schlanken Hölzer werden durch neue ersetzt. Dafür wird das Holz der Bergkiefer verwendet. Hauchdünn und nicht einmal einen Zentimeter breit sollen die Verbindungsstücke einmal sein. Fasziniert nimmt Wimmer das kleine Probestück in die Hand, das Matthias Flaig mitgebracht hat. Auch die Windladen werden erneuert, auf denen die Pfeifen stehen. Die Orgelsanierung kostet fast eine halbe Million Euro.

Während der Sanierungsarbeiten werden die Pfeifen in einer leerstehenden Halle zwischengelagert. Der Renovierungsstaub schadet den Pfeifen, macht Architekt Bernd Treide deutlich. Nach zwanzig Jahren sei es nun sowieso an der Zeit für eine Reinigung und Tonsanierung. Dass das Unternehmen nun deutlich aufwendiger ist, liegt auch an der Tatsache, dass die Konstruktion langsam sprichwörtlich aus dem Rahmen fällt. „Trampeln mit den Füßen ist aus bautechnischen Gründen verboten“, lesen Besucher, die auf die Empore hochgehen. „Der Zettel hat seine Berechtigung“, versichert Treide. Die ganze Empore ist nach vorne gekippt. 1961 sei die Orgel aus dem Chorraum auf die Empore versetzt worden. Wahrscheinlich ging man einfach davon aus, dass die Holzbalken das 16 Tonnen schwere Gebilde ohne weiteres aushalten. Wie sich jetzt zeigt, ist das nicht so. Ein Gospelkonzert habe der Empore vollends den Rest gegeben. Wenn die Orgel komplett abgebaut ist, wird der Architekt erst sehen können, warum die Holzbalken rutschen, und dann eine Lösung finden.

Für die Innensanierung hat Bernd Treide einiges an Zeitpuffer einberechnet. Manche Schäden lassen sich jetzt noch gar nicht komplett abschätzen, beispielsweise etwa die Decke. Sie stammt aus dem Jahr 1664. Ob sie Risse hat und wie gravierend die sind, sehen die Handwerker erst, wenn sie sich auf dem Gerüst in 17 Meter Höhe selbst ein Bild machen. Doch dafür müssen erst einmal die vielen siebeneinhalb Meter langen Bänke heraustransportiert werden. Das geschieht am kommenden Samstag mit der Hilfe von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk. Nach und nach sollen dann die Heizung erneuert, gesprungene Fenstergläser ausgetauscht, die Wände gestrichen und eine neue Lichtanlage installiert werden.

Eine Innensanierung in solch einer großen Kirche ist schon etwas Besonderes, findet Architekt Bernd Treide. Er hat schon mehreren Kirchen einen neuen Anstrich verpasst. Doch meistens sei es die Außenfassade. Schließlich gibt es nicht so viele Kirchen in der Württembergischen Landeskirche, die ein vergleichbares Innenvolumen haben, so Treide.

 

© Schorndorfer Nachrichten. Bild: ZVW

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