Visuelle Eindrücke von der Stadtkirche in Schorndorf

Presseartikel

ZVW, 2012-07-22
Leider kein Sommerkonzert im Freien / Daimler-Sinfonie-Orchester musste Benefiz-Konzert in Stadtkirche verlegen  

 


 

Schorndorf. Das Programm des Benefizkonzertes des Daimler-Sinfonie-Orchesters versprach zu einer sommerlich milden Abendbrise auf dem Kirchplatz zu passen. Wegen Dauerregen musste das geplante Open Air aber ins Innere der Stadtkirche verlegt werden, wo dann immerhin Bizets „Carmen“ für südliche Hitze und Leidenschaft sorgte.  

Ja, das hätte zu einem lauschigen Juliabend im Freien gepasst: Trommelwirbel, sommerlich flirrende Streicher, federleicht und keck zugleich. Aufs Schönste pompös. So vielversprechend dynamisch begannen die Daimler-Sinfoniker aus Stuttgart ihr Konzert mit der Ouvertüre zu Rossinis Oper „Die diebische Elster“. Da wechselten neckisch-freche Bläsertupfen mit Tutti-Explosionen und so zupackend wie akzentuiert kam das eingängig melodiöse Thema der „Elster“ geradezu tänzerisch swingend daher.  

Süß und melancholisch schwelgend hernach eine „Meditation sur Thais“ für Solovioline (mit verzehrender Innigkeit Hannes Meissner) und Orchester von Jules Massenet. Wunderschön das Intro der Harfe, die sich dann mit der Violine zum romantischen Duett vereinigt. Das Stück verströmt eine schwere Fin-de-siecle-Müdigkeit, die am Ende in ein langsames Versiegen der Töne mündet.  

„Carmen-Suite“: Rauschhaft, verführerisch, schicksalsdräuend   Sozusagen als doppelter Espresso halfen danach die Stücke aus der „Carmen-Suite“ von Georges Bizet wieder auf die emotionalen Beine. Da tobte dann das Schicksal in hitzig-musikalischen Ausschlägen – wobei es ganz nebenbei auch eine optische Freude war, Orchesterleiter Matthias Baur mit seinem fordernd-energischen Dirigierstil zu beobachten. Die „Carmen-Suite“, das ist ein „klassischer“ Hit nach dem anderen. Da gibt es spanisch-arabische Arena-Folklore („Prelude“), ländliche Idylle im gemächlich-faulenzenden Vierviertel-Takt („Aragonaise“), rauschhafte Grandezza in champagnerlaunige Seligkeit und schließlich verführerisch-schmelzenden „Les Toreadors“ und das berühmte, schwungvolle „Habanera“. Großartiges Schicksals-Dräuen in exotisch spanischer Kostümierung. Das alles vom Orchester mit durchaus kantiger Delikatesse und großer Spiellaune vorgetragen.  

„Die Moldau“ mit ihren verwehten Genre-Hörbildern  

Auch Smetanas „Moldau“-Zyklus erwies sich als volltönender Griff in die Hit-Schatulle der klassischen Romantik. Da perlen zu Beginn die Flöten und zupfen die Harfe und Geigen als „Die beiden Quellen der Moldau“, die allmählich quirlig zusammenfließen, um sich in den getragenen Ohrwurm der Moldau-Erkennungsmelodie zu erweitern. All die musikalischen Genre-Hörbilder wie Waldjagd oder Bauernhochzeit blitzen kurz am Rande vorbeieilenden Fluss auf, immer schon vergehend und leicht verweht. Besonders eindrücklich der sirrend-lockernde „Nymphenreigen“. Zum tosenden Geschichtsdrama wird die Komposition dann in den „Stromschnellen“, nach denen ein majestätisch geläuterter Nationalfluss wieder sein triumphales Thema anstimmt.  

Irritierend und anspruchsvoll dann Antonin Dvoraks dritter und vierter Satz der Sinfonie Nr.8 G-Dur. Unter einer nur scheinbar seligen „k.u.k.“-Oberfläche rumoren vertrackte Rhythmusstrukturen mit verstörenden, stockig hinkenden Walzeranklängen. Schallende Trompeten erhalten im 4. Satz seltsam gedämpfte Horn-Antworten und eigenartig „unterirdisch“ scheint da etwas fast am Auseinanderbrechen der polyfonen Harmonie zu arbeiten. Am Ende – fast fatalistisch – ein trotzig lautes Aufbäumen, das auch als Untergangsfanal gehört werden könnte. Ein starker Schluss!

© Schorndorfer Nachrichten

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