Visuelle Eindrücke von der Stadtkirche in Schorndorf

Presseartikel

Auch Muslime spenden für Kirche

ZVW, 2012-12-12
Spendenbarometer steigt auf 1,3 Millionen Euro

Schorndorf. Seit dem Terroranschlag auf das World Trade Center scheint die Kluft zwischen Christen und Muslimen unüberwindbar. Dass ein friedliches und wohlwollendes Miteinander aber doch geht, hat die islamische Gemeinde Schorndorf mit ihrer Spende für die Sanierung der Stadtkirche gezeigt.


Von der respektvollen Geste ist Pfarrerin Dorothee Eisrich völlig beeindruckt. Es gebe so viel Überheblichkeit, Streit und Rechthaberei zwischen den Religionen. Die Spender aus der islamischen Gemeinde zeigten damit, um was es wirklich gehe: „Dass Religionen Frieden stiften.“ Das sei aber nur möglich, wenn sich die Angehörigen verschiedener Religionen füreinander öffneten. So sei sie selbst auch schon in der Schorndorfer Moschee gestanden und habe im Koran gelesen. Außerdem veranstalten die Gemeinden ein Frauenfrühstück, bei dem sich türkischstämmige und deutsche Frauen austauschen. Und am 11. September erinnerten Christen und Muslime gemeinsam an die Opfer des Terroranschlags auf das World Trade Center. „Man kennt sich, man respektiert sich und man lässt den anderen seinen Weg gehen“, sagt die Pfarrerin.

Als die Idee in der islamischen Gemeinde aufkam, für die Stadtkirche zu spenden, seien gleich alle begeistert gewesen, erzählt Ragip Özbek, erster Vorsitzender der islamischen Gemeinde Schorndorf, der mit einigen Mitgliedern und Imam Hakki Gür gekommen ist. Vor allem der Imam habe sich stark dafür eingesetzt. 680 Euro sind zusammengekommen. „Wir freuen uns, wenn es gelingt, das Salz in der Suppe zu sein“, sagt Özbek.

Auch die Spenden-Scheckübergabe in der Stadtkirche ist eine kleine Zusammenkunft zur Verständigung unter den Religionen. Denn zum Termin sind neben Dekan Volker Teich und Dr. Christoph Gaa, erster Vorsitzender des Kirchenbauvereins, zahlreiche Schorndorfer Christen gekommen, die den Umbau mit großzügigen Spenden unterstützt haben. Zum achten Mal fand nun eine Plattenlegung statt. Ab einer Spende von 1200 Euro gibt es dafür nämlich eine gegossene Spendenplakette, die zusätzlich 400 Euro kostet. In goldfarbenen Buchstaben ist der Name des Unterstützers eingeprägt. Acht Platten konnten nun vor der Kirche verewigt werden. Bei der ersten Legung seien es etwa 20 Stück gewesen, so Waldemar Junt, Dekan im Ruhestand. Insgesamt sind dort nun rund 80 Platten eingelassen. An der Spendensäule vor der Kirche ist aber noch immer Luft nach oben. Jetzt zeigt die Säule 1,3 Millionen an. Um 100 000 Euro hat sich der Stand erhöht. Aber 1,7 Millionen kostet die Sanierung komplett. Es werden also noch 400 000 Euro benötigt.

Wie nach einem Kahlschlag sieht die Kirche momentan von innen aus

Damit alle Spender sehen, wohin ihr Geld läuft, gibt es eine kleine Führung mit Architekt Bernd Treide. Wie nach einem Kahlschlag sieht die Kirche momentan von innen aus. Alle Bänke in der Mitte sind weg, die Fliesen sind zum großen Teil entfernt. Die Gruppe geht nun über den Boden, der einst im Jahr 1906 verlegt worden war. „Hier sieht man deutlich, wie die Kirche früher aufgeteilt war“, erklärt der Architekt. Früher stand der Altar mittig an einer langen Seite. Die Bänke waren einst in die Breite ausgerichtet und alle konnten die Predigt relativ gut hören. „Des heb i no erlebt“, sagt eine Frau.

1958 wurde der Altar nach vorne - quasi in den Bug des Kirchenschiffs – verlegt, und wer dann in der letzten Bankreihe saß, hörte wegen der Entfernung meist nicht mehr viel. Die Verbesserung der Akustik gehört deshalb auch zu den Aufgaben beim Umbau.

Viel Arbeit liegt jetzt noch vor dem Sanierungs-Team: Die Empore, auf der die Orgel stand, hat sich abgesenkt und muss neu gestützt werden. Das Taufbecken soll aus der Marienkapelle raus und davor platziert werden. So soll dann die ganze Taufgesellschaft Platz ums Becken haben, ohne dass jemand fürchten muss, die Stufe, die in die Kapelle hochführt, herunterzufallen. Deshalb soll auch der Absatz zum Seiteneingang dort eingeebnet werden.

Die neuen Ideen sollen die Stadtkirche freundlicher, praktischer und den heutigen Ansprüchen gerecht machen. Ganz so dunkel und kalt wie zu Zeiten des Pietismus soll es auch nicht bleiben. Eine moderne Brennstoff-Heizanlage wird eingebaut und ein ganz neues Lichtkonzept klamüsert der Architekt gerade mit einem Lichtgestalter aus. Besonders schön: In die Seitenkapellen sollen lange Leuchten kommen. „Da haben wir aber noch Probleme mit dem Amt für Denkmalpflege“, erklärt Bernd Treide. Dort sei man sich nämlich nicht ganz einig, ob die moderne Beleuchtung in das Konzept einer pietistisch geprägten Kirche passe.

Beim Gedanken an die neuen Lampen strahlen zumindest Pfarrerin Dorothee Eisrichs Augen. Diese könne man nämlich in den Kerzenschein-Modus dimmen oder auf volle Festsaal-Beleuchtung drehen. Das wäre was für den Advent 2013. Bis dahin soll die Kirche nämlich in neuem Glanz erscheinen.

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