Visuelle Eindrücke von der Stadtkirche in Schorndorf

Presseartikel

Eröffnung am 1. Advent

SZ 2013-11-26:  Artikel von Oliver Hillinger zur Wiedereröffnung der Stadtkirche nach 14 monatiger Renovierungszeit

Schorndorf - Willkommen im Chaos“, sagt der Schorndorfer Dekan Volker Teich ein wenig ironisch beim Eintritt in die Stadtkirche. Denn von dem, was in dem Gotteshaus in diesen Tagen an Handwerkeraktivitäten zu beobachten ist, deutet wenig auf eine baldige Eröffnung hin – Bohrhämmer dröhnen, Bänke werden herumgetragen, in den Seitenkapellen werkeln Handwerker mit Stichsägen. Und dennoch soll bis zum Sonntag, dem ersten Advent und dem Beginn des neuen Kirchenjahrs, das Gotteshaus feierlich wiedereröffnet werden. Nicht alles sei fertig geworden, sagt die Pfarrerin Dorothee Eisrich, und deutet auf den Chorraum, in dem nach wie vor ein großer Gerüstaufbau steht. Aber auch das habe seinen Charme. „So eine Kirche ist schließlich immer eine Baustelle“, sagt die evangelische Geistliche.

Hinter der Kirchengemeinde liegt eine herausfordernde Zeit – angefangen im Frühjahr 2008, als sich herausgestellt hatte, dass die Kirchenempore wegen statischer Probleme zum Sanierungsfall geworden war. Nach und nach eruierte man den Erneuerungsbedarf – und kam auf einen stattlichen Aufwand. Mehr als 50 Jahre liege die letzte umfängliche Sanierung zurück, vieles sei in die Jahre gekommen, wie Dekan Volker Teich erläutert: Die Technik war nicht mehr auf dem Stand der Zeit. Überdies waren die künstlerischen Epitaphen in der Kirche dunkel geworden und die Orgel bedurfte einer Erneuerung. Obendrein verweigerte kurz vor dem Start der Sanierung die Heizung ihren Dienst und musste für viel Geld erneuert werden.

Einige Überraschungen blieben in der Zeit der Renovierung, die im Herbst 2012 begann, nicht aus. Zum einen erwies sich das Dachgestühl des Chors als schadhaft, der Hauptgrund dafür, dass dieser Teil der Kirche innen noch eingerüstet ist und wohl erst bis zum Frühjahr fertiggestellt sein wird. Zum anderen gab es für die Verantwortlichen überraschende Vorgaben der Denkmalschutzbehörden. „Das Ende der letzten Sanierung, das Jahr 1961, wurde als Referenzjahr festgelegt“, erklärt der Architekt Bernd Treide. Zur Folge hatte dies, dass die Denkmalschützer auf manches Material bestanden, das man heute zu Gunsten seiner Langlebigkeit lieber anders verbaut hätte – zum Beispiel Bänke aus günstigem Fichtenholz, die man lieber aus Eichenholz gebaut hätte.

Insgesamt habe die gesamte Sanierung 3,54 Millionen Euro gekostet, sagt Dekan Volker Teich, was in Hinsicht auf die Planung „eine Punktlandung“ gewesen sei. Stolze 1,6 Millionen Euro haben die Schorndorfer selbst dazugespendet, ablesbar war dies an einem Spendenbarometer an der Außenseite der Kirche, welches immer weiter anstieg. Nur noch rund 200 000 Euro fehlten bis zum Erreichen des Spendenziels, sagt Pfarrerin Dorothee Eisrich.

Die große finanzielle Bereitschaft wolle man nun zum Anlass nehmen, sich auch auf eine besondere Art bei den Bürgern zu bedanken, betont die Stadtkirchenpfarrerin. Der Kirchengemeinderat habe beschlossen, das Gotteshaus künftig als eine Bürgerkirche zu sehen. Dazu gehöre, dass sie nicht nur täglich geöffnet sei und durch mehr kunsthistorische Führungen als Ort der Stadtgeschichte erlebbar werde. Durch Veranstaltungen in Kooperation mit anderen Trägern solle das Gotteshaus auch ein Ort des Dialogs und der Kultur werden. Und dem so genannten diakonischen Handeln, dem Dienst am Schwachen, soll künftig eine der vier Kapellen gewidmet sein.

Pfarrerin Dorothee Eisrich lobt das „lebendige Miteinander“ in Schorndorf. Die Sanierung der Kirche sei „Ergebnis eines breit aufgestellten Prozesses“ gewesen.

© Stuttgarter Zeitung; Foto: Gottfried Stoppel

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