Visuelle Eindrücke von der Stadtkirche in Schorndorf

Presseartikel

Reste der Vorgängerkirche entdeckt

ZVW, 2013-02-13: Überraschendes bei einer Baustellenführung: Archäologischer Fund bei der Innenrenovierung der Stadtkirche

Schorndorf. Wenn sie gewusst hätten, was sie bei der Baustellenführung in der Stadtkirche Überraschendes zu sehen und zu hören bekommen, wären sicher noch mehr gekommen: Beim Graben der Löcher zum Versenken der Heiztruhen sind aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammende Mauerreste der Vorgängerkirche zum Vorschein gekommen.
 
Dass Architekt Bernd Treide eine Heiztruhe just an der Stelle vergraben haben wollte, an der sich unter dem Boden der Stadtkirche steinerne Überreste der alten Kirche befinden, ist reiner Zufall. Jeweils einen Meter weiter links oder rechts, und das Gemäuer wäre unentdeckt geblieben. So aber wurde, nachdem das Denkmalamt benachrichtig und eingeschaltet worden war, punktuell gezielt weitergegraben und weitergesucht, und was zum Vorschein gekommen ist beziehungsweise was sich daraus ableiten lassen hat, hat auch die Archäologen überrascht: Denn ganz davon abgesehen, so Dekan Volker Teich gleich zu Beginn der Führung, dass bislang niemand etwas von den historischen Zeugnissen gewusst habe, sei das eigentlich Überraschende die aus den Funden abzulesende Dimension der früher an dieser Stelle stehenden Kirche. „Es sieht so aus, als habe es sich um eine dreischiffige Basilika gehandelt“, sagt Architekt Bernd Treide, der die unter der Stadtkirche gefundenen Fundamentsteine, die an verschiedenen Stellen aufgetaucht sind, dem 13. oder 14. Jahrhundert zuordnet. Weniger sensationell als dieser historische Fund, aber gleichwohl interessant ist die Entdeckung verschiedener Fußbodenschichten der Stadtkirche, darunter auch eine dem großen Stadtbrand zuzuordnende Ascheschicht. Im Vergleich dazu geradezu „profan“ aus Sicht des Architekten sind ein paar Knochenfunde, darunter ein Schweinegebiss, bei denen es sich um Essenreste oder Hausabfälle handeln dürfte.
 
Ein Stein soll Platz in einer Seitenkapelle finden
 
Eine Schatztruhe oder Hinterlassenschaften des Bildersturms seien, so der Dekan auf die scherzhafte Frage eines Teilnehmers, nicht gefunden worden – leider oder doch eher Gott sei Dank, weil sonst „alle im Denkmalamt gleich zum Wahnsinn getrieben worden“ wären mit der Folge, dass es bei der Innenrenovierung der Stadtkirche zu Verzögerungen gekommen wäre. So aber, erklärt Architekt Treide, würden die historischen Gesteinsfunde fotografiert und dokumentiert, und die Arbeiten könnten ohne Einschränkungen fortgesetzt werden. Mit der kleinen Korrektur, dass die Boxen für die Wärmetruhen etwas versetzt werden, damit das historische Mauerwerk erhalten bleiben kann. Damit aber der historische Fund nicht wieder ganz in der Versenkung verschwindet, ist laut Dekan Teich daran gedacht, einen Stein aus dem Boden zu holen und später in einer Seitenkapelle auszustellen.
 
Apropos Seitenkapelle: Eine solche könnte auch einmal die heutige Sakristei gewesen sein, in der in der ersten, aus Sicht des Dekans „schlimmsten“ Bauphase, in der’s noch ausschließlich „ums Auseinanderreißen und Aufbrechen“ geht, ebenfalls lange nicht mehr Gesehenes zum Vorschein gekommen ist. Nach dem Herausbrechen einer Gipskartondecke sind jetzt auch wieder das alte Gewölbe und die Holzdecke mit der Öffnung für die alten Glockenseile sichtbar. Dieser offene Eindruck, so Treide, soll bleiben, wenn die Sakristei saniert und um ein WC, eine Teeküche und einen Besprechungsraum ergänzt wird. Wohnzimmertemperaturen allerdings werden in diesem Bereich wie in der ganzen Kirche auch nach der Sanierung nicht herrschen. 16 Grad soll die Standardtemperatur in den Kirchenräumen sein, wenn sie genutzt werden, außerhalb dieser Zeiten sollen acht Grad genügen. „Eine Kirche muss atmen können“, meint der Architekt und begründet damit auf eine entsprechende Frage hin auch, warum nicht daran gedacht ist, die künstlerisch gestalteten Kirchenfenster besser abzudichten – etwa durch Vorfenster.
 
„Eine alte Kirche wird nie ein brandsicheres Gebäude sein“
 
Überhaupt, erläutert Bernd Treide bei der Stadtkirchenführung, sei so eine Kirchensanierung nicht mit und nicht an den Maßstäben zu messen, wie sie die Landesbauordnung für andere Gebäude vorgibt. Das gelte auch und gerade für den Brandschutz, der heute vor allem auch bei der Sanierung von öffentlichen Gebäuden eine so wichtige und kostenträchtige Rolle spielt. „Eine alte Kirche wird nie ein brandsicheres Gebäude sein, das geht nicht“, betont der Planer. Trockener und zugleich zutreffender Kommentar einer Teilnehmerin an der Stadtkirchenführung: „Da hilft nur beten.“

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

 

 

 

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