Visuelle Eindrücke von der Stadtkirche in Schorndorf

Presseartikel

ZVW, 2012-09-27
Letzter Teil der Serie „Juwelen der Stadtkirche“: Bei der Sanierung sollen Heizung, Beleuchtung und Akustik optimiert werden

Die Temperatur im Kirchenraum ausgeglichen, die Beleuchtung vielfältiger und die Akustik klar bis zur letzten Bankreihe. Das ist das Ziel der technischen Sanierung der Stadtkirche. Kommt die Genehmigung des Landesdenkmalamtes, kann’s Anfang Oktober losgehen – zunächst mit dem Ausbau der großen Orgel und der Bänke.

Zum Silvestergottesdienst 1899 kam elektrisches Licht in die Stadtkirche: Paul Reisser, Gründer des Schorndorfer Elektrizitätswerkes, beleuchtete den Kirchenraum mit zwei von der Decke hängenden Bogenlampen. Später sorgten große Gondellampen für Licht. Bei der Renovierung im Jahr 1906 tat die Stadtkirche mit der Heizung den zweiten Technisierungsschritt: Der Gewölbekeller, dessen Eingang zurzeit hinterm Werbezaun an der Gottlieb-Daimler-Straße versteckt ist, wurde extra dafür gebaut – samt Kohlenschütte und Kamin. Beim Umbau 1958 kam dann eine Ölheizung in den Keller. Und als vor zwei Jahren bereits die zweite Gasheizung eingebaut wurde, flogen endlich auch die alten Öltanks raus – im ersten Bauabschnitt der Stadtkirchensanierung.
 
Heizkonzept: Sensibel und ohne große Schwankungen

Und wenn’s jetzt im Oktober mit der Sanierung tatsächlich losgehen kann, wird es auch eine neue Schaltanlage für die Heizung geben – damit die Kirche entsprechend der Jahreszeiten und der Festlichkeiten beheizt werden kann. Aber äußerst sensibel, versteht sich. „Die Epitaphien und die Orgel vertragen keine schnellen Temperaturwechsel“, sagt Bernd Treide, der die Stadtkirchensanierung als Architekt betreut und von einem üblen Fall in Esslingen berichten kann, wo zur Einweihung einer renovierten Kirche kräftig eingeheizt wurde – mit dem Ergebnis, dass die frisch restaurierte Orgel und Kirchenschätze kaputtgegangen sind. Darum ist zur Einweihung der Stadtkirche im Dezember 2013 der kombinierte Weihnachts- und Eröffnungsgottesdienst auch nur mit der Chororgel geplant. „Um Druck rauszunehmen“, erklärt Treide. Die große Orgel soll frühestens zu Ostern 2014 spielbereit sein.

Oben im Kirchenraum wird sich sowieso einiges verändern: Die mit klackernden Metallgittern abgedeckten Heizungsschächte im Chorraum werden durch vier Wärmetruhen im Boden ersetzt. Im Schiff werden’s sechs Truhen sein. Aber überall werden Ventilatoren die Luft über Wärmefächer im Raum verteilen. Wärmer soll’s im Kirchenraum mit dem neuen Heizsystem zwar nicht werden, „aber ausgeglichener“, sagt Treide und verspricht, dass die Zeiten kalter Fallwinde und vereinzelter Hitzeinseln dann endlich vorbei sind.

Die Beleuchtung soll auch besser werden – zum Glück: Hängende Glockenlampen im Schiff, Klemmstrahler an der Kanzel, Spots in der Decke, Baustrahler bei Konzerten, Wandleuchten überall – und trotzdem hatten Gottesdienstbesucher immer wieder Probleme, die Liedtexte im Gesangbuch zu entziffern. „Das ist ein furchtbares Durcheinander“, sagt Treide und sieht die Zukunft in Messingleuchten, deren Lochmuster an das Rippengewölbe in der Marienkapelle erinnern. Außerdem können diese Lampen nicht nur nach unten strahlen, sondern auch nach oben. „Damit entsteht ein ganz anderer Raumeindruck“, sagt Treide. Und nicht nur das: Es wird auch spezielle Leuchtprogramme geben – bei Taufen zum Beispiel mit Spot aufs Taufbecken, bei Festgottesdiensten mit beleuchteter Orgel.

Geordnet soll auch die Akustik in der Stadtkirche werden. Digitale Technik soll dafür sorgen, dass Wort und Ton für alle gut zu hören sind – und nicht nur für eine kleine Minderheit. Vielen war’s in der Stadtkirche bisher immer zu laut, den anderen „zu breiig“, sagt Treide und sieht die Lösung in sechs Meter hohen und zehn Zentimeter schmalen unscheinbaren Technikstelen, von denen zwei im Chor und zwei im Kirchenschiff installiert werden sollen. Und damit ist die Richtung klar: Nach der Sanierung soll weniger Technik als vorher zu sehen sein.

© Schorndorfer Nachrichten

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