Visuelle Eindrücke von der Stadtkirche in Schorndorf

Presseartikel

ZVW, 2012-08-31
Serie "Juwelen der Stadtkirche": Die Epitaphien gehören ohne Zweifel zu den Juwelen der Stadtkirche. 
 

 Wie bei den anderen Juwelen der Stadtkirche auch – die Schönheit der Epitaphien offenbart sich erst auf den zweiten Blick. Die kunstvoll gestalteten Spenderbilder hängen alle dicht an dicht im Chor. Vom Kirchenschiff sind sie kaum zu sehen. Doch sie schreiben Geschichte: Die älteste Gedenktafel stammt aus dem 16. Jahrhundert.


Sie sind zum Teil stark verschmutzt, wurmstichig, mehrfach überstrichen, weisen Risse auf und die Farbe blättert gleich an mehreren Stellen. Wird die Stadtkirche von Oktober an grundlegend saniert, sollen auch die Epitaphien gereinigt und restauriert werden. Dabei geht es um den Erhalt des Status quo, die Schäden sollen nicht weitergehen. Doch die Baumarktbasteleien, die Spuren in den wertvollen Bildern hinterlassen haben, müssen sehr wohl korrigiert werden. Spax-Schrauben im Epitaph – „das darf man eigentlich nicht machen“, sagt Bernd Treide, der die Sanierung der Stadtkirche als Architekt begleitet.
 
Das Älteste in der Reihe ist Epitaph „Eyb“. Das gusseiserne Spenderbild stammt aus dem Jahr 1597 und erinnert an Pfarrer Andreas Eyb, den vierten evangelischen Stadtpfarrer in Schorndorf, und seine Frau Anna. Nummer zwei in der chronologischen Reihe ist das Epitaph „Breidner“ aus dem Jahr 1611. Es ist das Größte im Chor der Stadtkirche und erinnert an Bürgermeister Melchior Breidner und seine Frau Agatha. Das Sandsteinepitaph zeigt die anbetende Familie, die zum gekreuzigten Christus aufblickt. Über den Wappen findet sich eine Darstellung der Auferstehung Christi, die gekrönt wird von einer Darstellung der Dreifaltigkeit Gottes. Arg gelitten hat das Bernerdin-Epitaph. Es erinnert an Christoph Andreas Freiherr von Bernerdin zu Plüderhausen und hat – weil es jahrelang über dem alten Kamin hing – Schaden genommen. Er wurde abgebaut und notgesichert. Jetzt soll die abgeblätterte Schrift gesichert werden. Ist es gereinigt und restauriert, soll das Ölbild von der Verklärung Jesu wieder zu erkennen sein. Die Holzstatuen rechts und links stehen für Geduld und Hoffnung. Angestellte Stühle und Tische haben dafür am Epitaph „Hofer“ schlimme Schäden angerichtet: Die Macken am unteren Bild sind nicht zu übersehen. Und wie viele Spenderbilder, die auf Holzbrettern gemalt sind, hat das aus dem Jahr 1678 stammende eine Schwachstelle: Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen haben Risse im Bild hinterlassen.
 
Epitaph „Hirschmann“ zeigt die Beschießung Schorndorfs
 
Das wertvollste Spenderbild indes ist das Epitaph „Hirschmann“. Es erinnert an den 1634 verstorbenen Bürgermeister Hirschmann, stammt aus dem Jahr 1660 und zeigt ein Nachtbild von der dramatischen Beschießung Schorndorfs. Unterhalb des Nachtbildes ist der Verstorbene mit seinen zwei Frauen und seinen insgesamt 29 Kindern in betender Haltung dargestellt. Vermutlich stammt es von Johann Friedrich Trescher.
 
Zu den Juwelen der Stadtkirche gehören aber auch die Altarschranken. Bis Ende der 1950er Jahre haben sie den Hauptaltar rechteckig umgeben. Heute stehen sie in einer Linie an der Ostseite des Chors. Predigen hinter Altarschranken, „das will man heute nicht mehr“, weiß Architekt Bernd Treide. Doch die von Christian Ungerbühl im Jahr 1739 im Stil des Frührokoko angefertigten Schranken, „gehören mit ihren Intarsien mit zum Wertvollsten, was die Kirche kunsthistorisch zu bieten hat“, ist im Stadtkirchen-Führer nachzulesen. Vier fein geschnitzte biblische Holzstatuetten verzieren die Oberkanten – von links nach rechts sind Mose, Johannes der Täufer, Simeon und Christus zu sehen.
 
Das neueste Epitaph sozusagen ist die Vogelnest-Orgel im Chor: Von Eugen und Martha Megerle im Jahr 1976 gespendet, erinnert sie, wie alle Epitaphien, an die Verstorbenen.

 

 

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