Visuelle Eindrücke von der Stadtkirche in Schorndorf

Presseartikel

ZVW, 2012-08-03
Serie „Juwelen der Stadtkirche“: Bei der Sanierung der Stadtkirche wird aber nur der Zustand der historischen Rundscheibenfenster verbessert

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Schorndorf. Engel, die Posaune spielen. Moses vor dem brennenden Dornbusch und wie er das Volk Israel durchs Rote Meer führt. Natürlich Jesu’ Kreuzigung und das Abendmahl. Die Künstlerfenster in der Stadtkirche erzählen biblische Geschichten in den schillerndsten Farben. Doch auch die historischen Rundfensterscheiben haben’s in sich.
 
Hätten die runden Scheiben in der Mitte einen Glaspfropfen, dann wären’s tatsächlich die berühmten Butzenscheiben. Bei den Fenstern, die seit bestimmt 200 Jahren auf einer Höhe von bis zu zehn Metern Licht in die Stadtkirche lassen, handelt es sich aber um Schlierenscheiben und um historische Mond- oder Tellerscheiben. Die Farbe, die das Glas bei Sonnenlicht in sanften Pastelltönen schimmern lässt, kommt vom Eisenoxid. Ganz klar ist Glas sowieso nie: „Normales Glas ist grünstichig“, sagt Architekt Bernd Treide, der die für Herbst geplante Generalsanierung der Stadtkirche betreut.
 
Dabei müssen die Glasfelder, die zum Teil lückenhaft oder stark verschmutzt sind, ausgebaut und in einer Werkstatt überarbeitet werden. Manche sind sogar eingedrückt – „es werden immer wieder Bälle und Flaschen gegen die Kirchenfenster geschleudert“, sagt Bernd Treide und kündigt an, dass auch die historischen Öffnungsmechanismen optimiert werden. Künftig sollen elektrische Fensteröffner – je nach Feuchtigkeitsgrad – aktiv werden: Die Kirchenschätze und die Orgel brauchen dringend ein gleichmäßiges Klima. „Das ist ein Riesenaufwand“, sagt Architekt Bernd Treide, schließlich sind die Fenster eingeputzt.
 
Ein Glück, dass die Motivfenster in besserem Zustand sind. Ungleich größer wäre der Aufwand einer Restaurierung. Die großen Chorfenster zum Beispiel sind bereits 1889 unter Heinrich Dolmetsch in das bestehende Maßwerk eingepasst worden. Sie stammen aus der Bayerischen Hofglasmalerei Gustav von Treeck und zeigen von links nach rechts – unter einem baldachinartigen Aufbau – die Auferweckung der Tochter des Jairus, das Heilige Abendmahl und die Grablegung von Jesu. Alle drei Fenster haben Schorndorfer Bürger gestiftet.
 
Die Obergadenfenster im Chor hat eine Schorndorfer Firma gestiftet. Geschaffen wurden sie vom inzwischen verstorbenen Schorndorfer Künstler Alfred Seidel: Sie sind 1999 gemalt, aus mundgeblasenem Antikglas farbig gestaltet und in Bleiruten gefasst. Die Schwarzlotmalerei des Künstlers ist mit 630 Grad Celsius in die Gläser eingebrannt. Die drei im neoexpressiven Stil geschaffenen Fenster bilden ein zusammenhängendes Triptychon und haben das Pauluswort aus Korinther 13,13 von Glaube, Liebe, Hoffnung zum Thema.
 
Zweimal Moses und musizierende Engel
 
Die Glasbildfenster in der Marienkapelle, 1961 vom Stuttgarter Künstler Adolf Saile geschaffen und von Frauengruppen der Gemeinde gestiftet, zeigen – ornamental eingerahmt – Moses’ Marsch durchs Rote Meer. Im gleichen Jahr hat der Schorndorfer Kunstlehrer Werner Oberle die musizierenden Engel für die Rosette über der Orgel an der Westseite geschaffen. Das jüngste Motivfenster in der Stadtkirche ist das Jedermann-Fenster in der nordöstlichen Seitenkapelle. Es stammt von Ada Isensee und zeigt Moses vor dem brennenden Dornbusch. Gestiftet hat es die Evangelische Spielgruppe, deren „Jedermann“-Inszenierung bis heute legendär ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

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